Charivari

Spätmittelalterliches Bild eines Gebäudes mit drei Etagen, die jeweils voller teilweise maskierter Menschen sind, Musizierenden und Tanzenden unten und in der Mitte, oben eine Frau im Bett liegend und ein hinzutretender Mensch mit Antilopenkopf
Miniatur aus dem Roman de Fauvel, Frankreich 14. Jh.

Tohuwabohu in der französischen Renaissancemusik

Charivari hieß im Mittelalter in Frankreich das Tohuwabohu, das durch Topfschlagen, Spielen von verstimmten Instrumenten und wilde Rufe erzeugt wurde und auf ein gesellschaftliches Fehlverhalten aufmerksam machen sollte. Eine zweite Eheschließung nach einer Witwenschaft wurde beispielsweise häufig auf diese Weise bestraft, wenn sie als zu frühzeitig nach dem Todesfall empfunden wurde. Die Nachbarschaft versammelte sich unter den Fenstern des frisch vermählten Ehepaars und machte durch Krach auf die Verletzung der sozialen Regeln aufmerksam. (Der Lärm konnte erst durch Bezahlung in Geld oder Alkohol beendet werden.)

Im 16. Jahrhundert fand diese sonderbare Strafpraxis Eingang in die französische Vokalmusik. Mit Lautmalerei und wilden Schreien griffen Komponisten Elemente der mündlichen Tradition auf und komponierten mehrstimmige kunstvolle Charivari-Stücke.

Der Kammerchor orchi e balene erarbeitet mit seiner neuen Chordirigentin Marina Kerdraon-Dammekens das Programm Charivari, das im Frühsommer 2027 zur Aufführung kommen wird.

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